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Peter Ferlemann: Tauchen in der Lippe

Flussbarsch in der Lippe

Flussbarsch in der Lippe

Seinem großen Ziel, die Lippe von der Quelle bis zur Mündung in den Rhein mit einer engen Kette von Tauchgängen zu erforschen, ist Peter Ferlemann schon ein gutes Stück nähergekommen. Inzwischen taucht er auch im Dienst der Wissenschaft und erforscht die Flora und Fauna im Fluss. Gestochen scharfe Fotos zeigen, dass im Wasser kleinste und kleine Wesen existieren, durchweg in trauter Nachbarschaft oder auch Symbiose. Eine besondere Bachmuschel, ca 6 cm groß, mit dem Namen „Unio crassus“ beschäftigt ihn schon seit ihrer Entdeckung in der Näher von Garfeln im Jahre 2012. Diese kleine Muschel, die entgegen aller Vermutungen doch noch in kleinen Beständen in der Lippe existiert, wird im Rahmen eines Forschungsprojektes mit Unterstützung der Bezirksregierung untersucht. Unio crassus ist unauffällig, aber wie andere einheimische Muschelarten als biologischer Wasserreiniger sehr wirksam. Die kleine Muschel hat viele Feinde, eingewanderte Muscheln und Krebsarten und natürlich den Menschen, der mit seiner Nutzung des Flusses der Muschel zusetzt. Fische verbreiten die Muschelbrut, wenn sie sterben, geht es auch den Muscheln schlecht.

Die Lippe kennt Peter Ferlemann in dem Zustand vor der Renaturierung und natürlich auch im jetzigen Zustand. Er ist begeistert von der Vielfältigkeit des Lebens im Fluss, die mit der Ausweitung, der Anlage von Schleifen, der Schaffung von natürlichen Uferzonen usw. wieder auftrat. Die Tiefe des Flusses liegt zwischen knapp einem Meter in der entfesselten Zone und mehr als 7 Metern in Bereichen, die noch nicht umgestaltet sind. Auch die Tiefwasserzonen werden aber von der Natur genutzt und besetzt. Umgestürzte Bäume und Schilfgürtel sind ideal für Kleinlebewesen, um im Fluss zu leben und zu überleben, wenn Angler und Raubfische ihnen zu Leibe rücken. Auch der Müll, der seit Jahrhunderten immer wieder im Fluss landete, wird Teil der Lebensumwelt von Fischen, Muscheln und Pflanzen.


Einblicke in die Unterwasserwelt Lippe

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Funde zu machen ist nicht das oberste Ziel des Tauchers. Ihm geht es um das Erlebnis, die Eindrücke, die Ruhe beim Tauchen und auch die Freude, neue Tiersorten wieder im Fluss entdeckt zu haben. Es sind aber doch manchmal Funde in der Lippe, die die Fische nicht als Lebensraum beanspruchen und die als Müll entsorgt werden sollten. Dazu gehört z.B. eine Natogranate, die, kaum gefunden, dann schon als gefährliches Objekt den zuständigen Behörden gemeldet wurde. Die Polizeitaucher rückten an, unterstützt von Sicherheits –und Rettungskräften, und mit größter Vorsicht wurde das gefährliche Objekt geborgen und entschärft.

Zu den größeren Fundobjekten gehört das schon erwähnte Lippeschiff, das im Schlick der Lippe lag. Das alte Arbeitsboot war irgendwann einmal in der Lippe gesunken und lag so günstig im Ufernähe, dass eine Bergung mit einem starken Bagger möglich wurde. Das komplette Schiff hätte nicht in die Ausstellung gepasst, der ausgestellte Teil wird aber möglichst mit dem Rest zusammen einen Platz in der Stadt finden, so hofft Peter Ferlemann. Das bisher in Benninghausen eingelagerte Schiff bzw. Boot sollte auf keinen Fall auf dem Schrott landen, meint sein Finder.
Andere Objekte bleiben im Fluss, so ein altes Lorenrad, das noch aus der Zeit stammt, als man oberhalb von Lippstadt Raseneisenerz förderte, dies dann flussabwärts verschifft wurde und in Form von Fertigeisenwaren, z.B. Öfen wieder den Lippstädter Raum erreichte.

Die Zusammenarbeit mit den Ausstellungsfachleuten in Lippstadt und Paderborn hat für Peter Ferlemann dazu geführt, dass er nun mit einem „Blick aufs Historische“ taucht, gelegentlich unterstützt von einem der Wissenschaftler, die er jüngst im Rahmen der Ausstellung kennenlernte.

Es gibt Objekte, die im Fluss liegen, die weder Fische noch Taucher brauchen oder wollen, so z.B. ein altes Sofa oder Autobatterien. Die meisten Besucher und Nutzer der Lippe, so hat Peter Ferlemann beobachtet, respektieren den Fluss und freuen sich über erweiterte Freizeitmöglichkeiten. Die anderen, so hofft er, werden es schon noch merken, müssen einfach als negative müllhinterlassende Begleiterscheinung gesehen zu werden. Die Lippe als Wasserlieferant, Transportweg, Mittel zur Verteidigung, Freizeitfaktor und Gewässer ist ein besonderer Fluss, ist sich der Taucher Ferlemann sicher, die Artenvielfalt ist genauso wichtig wie der Hochwasserschutz, und das hat man ja auch bereits erkannt und umgesetzt.

Wir wünschen dem Taucher Peter Ferlemann allzeit gute Sicht und viele Erlebnisse und danken für das Gespräch zum Thema Lippe.
Marlies Wigge

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